23.03.2020

Krisen-Medien

Zurück ans Lagerfeuer

In der Corona-Krise zeigt sich, wie unverzichtbar seriöse Medien und vor allem der öffentlich-rechtliche Rundfunk sind. Wer jetzt noch "Lügenpresse" schreit und gegen ARD, ZDF & Co. hetzt, hat nichts verstanden.

Radio: Verlässlicher Journalismus zählt. Foto: Reto Klar

Zusammenrücken ist angesagt – natürlich nicht räumlich, Ansteckungsgefahr, Kontaktsperre und Quarantäne lassen grüßen, aber in der Katastrophe und der Isolation finden sich die Menschen wieder am großen Medien-Lagerfeuer zusammen.

 

Vor allem die Nachrichtenangebote von ARD und ZDF erleben einen Zuschauerrekord nach dem anderen: Die "Tagesschau" um 20 Uhr sahen am Sonntag insgesamt 18,8 Millionen Zuschauer, fast doppelt so viele wie im Durchschnitt 2019 (9,797 Millionen). Aber auch die Informationsangebote wie der zum Medien-Kult gewordene NDRInfo-Podcast mit Christian Drosten – kein Tag vergeht, an dem der Berliner Virologe nicht landauf, landab zitiert wird – und auch die Unterhaltungssendungen oder das für die Zeit der Schulschließungen zusammengestellte Kinder- und Schulprogramm der Öffentlich-Rechtlichen finden großen Zuspruch. Und auch die Zeitungen, Zeitschriften und Onlinemedien sind in der Krise unverzichtbar. Gerade regionale Nachrichten und Informationen sind für die Menschen im Moment mehr denn je von unschätzbarem Wert.

 

Das alles kostet Geld, finanziert durch Zeitungs- und Zeitschriften-Abos, Paywalls im Internet, Werbung und den öffentlich-rechtlichen Rundfunkbeitrag. Über die Höhe all dessen kann und muss diskutiert oder sogar gestritten werden. Aber in der Krise zeigt sich, wie schlecht wir beraten wären, die Öffentlich-Rechtlichen abzuschaffen oder weitere regionale Presse- und Medienangebote sterben zu lassen.

 

Gegen die Pandemie des Virus hilft im Moment wohl nur die räumliche Abgrenzung. Und gerade wenn man zuhause hockt und auf aktuelle Informationen angewiesen ist, hilft gegen die "Infodemie" der Fake News nur seriöser Journalismus und das Besinnen darauf, wie wichtig und wie gut unser Mediensystem in Deutschland ist.

 

Ein Kommentar von Paul Eschenhagen