14.01.2020

Gemeinsame Stellungnahme von DJV und ver.di zu den Umstrukturierungen des Online-Auftritts der DW

Nicht so SMART!

Der DJV-NRW stellt sich solidarisch hinter die freien Beschäftigten, die sich am Montag, 14.01.20, in einem offenen Brief an die Sender- und Geschäftsleitung der Deutschen Welle gewandt haben. Die Mitarbeiter*innen der Onlineredaktionen, die in der Nachtschicht tätig sind, haben es verdient zu erfahren, wie es in Zukunft um die Struktur der DW-Webseite und ihren Einsatz für den Rundfunk gestellt ist.

 

"Liebe Kolleginnen und Kollegen,
 
die neuen Dienst- und Schichtpläne in den Bereichen der neu geschaffenen HA Information beunruhigen viele von uns.
Insbesondere freie KollegInnen sorgen sich um ihre Existenz bei der DW. Ausdruck davon sind u.a. ein offener Brief an BKM Ministerin Grütters und die Berichterstattung in überregionalen Medien. Dass der Brief in anonymer Form versandt wurde, zeigt, dass es in der DW noch immer keine angstfreie Debattenkultur gibt. Eine für alle transparente interne Kommunikation muss endlich gewährleistet sein, bevor Tatsachen geschaffen werden. Letztendlich sollten Verbesserungen für einen wirklichen Kulturwandel im Haus eingeleitet werden, der frühzeitig Konflikte lösen hilft, Unsicherheiten und Machtmissbrauch verhindert oder gar nicht erst entstehen lässt.
 
Selbstverständlich hat die DW das Recht, das Programm  strategisch anzupassen. Aber Mitarbeiter müssen sich auch mitgenommen fühlen! Die Reformprozesse Profilschärfung, SMART  und SMART 2.0 wurden immer als „beschäftigungsneutral“ dargestellt: Abbau hier – Zuwachs dort. Nun deuten sich deutliche Kürzungen an, über die so nie gesprochen wurde. Programmdirektorin Meuer veranlasste „vor vielen Wochen“ die Klärung, ob der Wegfall von Schichten in anderen Bereichen kompensiert werden könne. Wo sind die Ergebnisse, Frau Meuer? Wer ist betroffen? Welche Angebote gibt es überhaupt? 
 
Herr Limbourg beteuert die prinzipielle Bestandsgarantie für ein deutsches Online und TV-Programm. Präzisiert werden muss jedoch: Was heißt das für die Beschäftigung? Müssen dennoch Leute gehen, obwohl für die DW angeblich „jeder Einzelfall zählt“? Die MitarbeiterInnen fühlen sich allein gelassen. Gespräche über die Zukunft gibt es nur wenig, da selbst die Führungskräfte nicht wirklich Bescheid wissen.
 
Wir fordern:
 
⇒ Sagen Sie klar, was Sie wollen. Weiterentwicklung des Programms ja, Einschränkungen oder gar Beendigungen nein!

⇒ Kein Verzicht auf Aktualität! „Halbe Nachtschichten“ machen weder Sinn, noch sind sie praktikabel oder erfüllen das 4- Augen- Prinzip.

⇒ Deutsche Magazine aus dem TV-Angebot müssen digital produziert werden, um auch weiterhin ein attraktives Online-Angebot in deutscher Sprache zu ermöglichen. Es sollten mehr deutsche Podcasts entwickelt werden!

⇒ Keine weitere Verlagerung von Schichten ins Ausland!

⇒ Geben Sie eine wirksame Beschäftigungsgarantie in den anstehenden Tarifverhandlungen!

Über die Dienst- und Einsatzpläne werden nun Fakten geschaffen. Das ist alles andere, als „ein normaler Prozess“, Herr Limbourg.
 
Bonn/Berlin 14.1. 2020"

Die gesamte Stellungnahme gibt es auch zum Download