23.11.2019

Zukunft der Branche Thema beim DJV-Journalistentag 2019 in Dortmund

Europa braucht den Journalismus

Größter deutscher Branchentreff: Journalistentag 2019 in Dortmund. Begrüßung Frank Stach, Impulsvortrag Renate Schroeder, EFJ, Moderation Andrea Hansen. Fotos: Udo Geisler

„Setzt Euch ein für freie unabhängige Medien, Europa braucht den Journalismus“, formuliert Renate Schroeder, Direktorin der Europäischen Journalisten-Föderation (EFJ), ihren Appell an Politik und Medienschaffende zum Start des heutigen 16. Journalistentages in der Sparkassenakademie am Dortmunder Phoenix See.

 

Zu dem Branchentreff mit mehr als 500 Journalist*innen unter dem Motto „Zukunft des Journalismus – jetzt oder nie“ hat der Deutsche Journalisten-Verband NRW eingeladen. Landesvorsitzender Frank Stach beschwört in seiner Begrüßung den Innovationsgeist der frühen Journalisten und Verleger und ermuntert: „Wir müssen die Innovationstreiber sein. Macht Euch schlau, schaut nach vorne und vernetzt Euch.“

 

„Quo vadis, Europa“, fragt Renate Schroeder zu Beginn ihres Vortrags. Sie macht deutlich, wie eng Europa in Sachen Journalismus zusammenrücken muss. „Wie europäische Staaten konkret auf die Morde und Angriffe auf Journalist*innen reagieren, wird nicht nur die Zukunft der Presse, sondern auch die Zukunft der Demokratien bestimmen. Morde sind die extremste, sichtbarste Methode, um Journalisten zum Schweigen zu bringen. Aber es gibt noch andere, weniger sichtbare Bedrohungen, die die Freiheit und Sicherheit von Journalisten in Europa beeinträchtigen“, so Schroeder. Sie berichtet von der vom Europarat eingerichteten Plattform zum Schutz von Journalistinnen und Journalisten, auf der insgesamt 638 Angriffe, Schikanen und Einschüchterungen gemeldet wurden, davon 14 aus Deutschland.

 

Enorme Herausforderungen seien aber auch Desinformation sowie politische Trolle, die die Grundwerte der EU von innen aushöhlten. Denen könne nur „Qualitätsjournalismus“ entgegengehalten werden und vor allem eine neue Bedeutung in der Öffentlichkeit. Journalismus müsse künftig zum öffentlichen Gut werden und damit gleichzeitig neue private oder öffentliche Finanzierungsmodelle ermöglicht werden. Schroeder begrüßt, dass die EU-Kommission bereits einen höheren Haushalt für Medienprojekte verabschiedet habe, auch um Monitoring und Medienkompetenz zu fördern. Auch die „Selbstregulierung digitaler Medien“ sei ein wichtiges Projekt der EFJ, an dem fünf Presseräte und zwei Universitäten teilnähmen.

In der anschließenden Diskussionsrunde,  moderiert von der stellv. Landesvorsitzenden Andrea Hansen, gibt Renate Schroeder dem Auditorium viele Best-Practice-Beispiele aus Europa mit auf den Weg: Insbesondere in den nordischen Ländern fließen viele Subventionen, berichtet Schroeder, darunter für freie Journalist*innen und Innovationen für neue Entwicklungen für Lokalmedien. Von diesem Geist lassen sich auch Gewerkschaften in anderen Ländern inspirieren und finden neue Wege. Insbesondere die Dänen fördern ihren Nachwuchs und bringen junge Leute schnell in verantwortliche Positionen in den Gewerkschaften. „Stars4 Media“ ist ein Trainingsprogramm für junge Medienschaffende, um Medieninnovation und grenzüberschreitende Berichterstattung in Europa zu fördern.

 

Mehr als vierzig Expertinnen und Experten aus den Bereichen Journalismus, Hochschule, Wirtschaft und Politik stehen in den interaktiven Einzelveranstaltungen noch bis 16.30 Uhr in Dortmund Rede und Antwort. Algorithmen und Künstliche Intelligenz, Meinungsmacht und Fake News, Geschäfts- und Arbeits-Modelle sowie neue Möglichkeiten für den Journalismus und PR mit Chatbots, KI und Augmented Reality, Konzepte für das Radio der Zukunft, Arbeiten in der TV-Produktion heute und Coworking als Chance im journalistischen Alltag sind nur einige der Journalistentags-Themen. Teilnehmer der Veranstaltung sind Journalist*innen, Medienarbeiter*innen, interessierte Studierende und Berufsstarter, DJV-Mitglieder und Nichtmitglieder.

 

Der Deutsche Journalisten-Verband ist mit 35.000 Mitgliedern die größte deutsche Journalistengewerkschaft, die sich auch als Berufsverband für die Interessen seiner Mitglieder engagiert. Der Verband wurde 1949 gegründet. Der Journalistentag findet in diesem Jahr zum 16. Mal statt und ist mit 500 Teilnehmer*innen eine der größten journalistischen Branchentreffs Deutschlands.

 

Fotos: Udo Geisler

Kontakt: Beate Krämer, Tel. 0211 23399-200, mobil 0172 1451840

Referat Kommunikation und Marketing

 

Deutscher Journalisten-Verband Landesverband NRW e.V.