14.11.2019

Warnstreiks

Dünnhäutigkeit nimmt zu

Bei mehreren ARD-Anstalten wird in diesen Tagen wieder gestreikt. Die Arbeitgeber bewegen sich immer noch nicht, werden dafür aber zunehmend dünnhäutig.

Warnstreik beim WDR: Kampf für Interessen. Foto: Volkmar Kah

Beim Bayerischen Rundfunk ist der aktuelle Warnstreik, zu dem der Bayerische Journalisten-Verband aufgerufen hat, bereits spürbar. Programmausfälle machen den Hörern deutlich, dass beim Sender etwas nicht stimmt. Ein ähnliches Bild beim Norddeutschen Rundfunk, wo Beschäftigte ebenfalls die Arbeit niederlegen. Und morgen stößt noch der WDR dazu, wie der DJV Nordrhein-Westfalen ankündigte.

 

Der Grund für die Streiks ist bei allen ARD-Anstalten der gleiche: Die Arbeitgeber wollen partout keinen Tarifabschluss, der das Ergebnis des öffentlichen Dienstes abbildet. Weil sie sich mit ihrem sturen Nein am Verhandlungstisch nicht durchsetzen, werden sie dünnhäutig. Jan Büttner, Verwaltungsdirektor beim Südwestrundfunk, wird vom Mediendienst dwdl mit der Drohung zitiert, das Angebot aus der letzten Verhandlungsrunde nur aufrechterhalten zu wollen, wenn es in der nächsten Runde am 19. November angenommen werde. So führt man keine Tarifverhandlungen mit streikfähigen Gewerkschaften.

 

Verärgert zeigt sich auch Büttners Kollege beim Bayerischen Rundfunk Albrecht Frenzel: "Auch wenn der Aufruf zum Streik das unbestrittene Recht jeder Gewerkschaft ist: Vor dem Hintergrund der laufenden intensiven Bemühungen um eine Annäherung im BR wie in den anderen Rundfunkanstalten sind Streikaufrufe von mehr als zwei Tagen Dauer in der Geschichte des BR und der ARD ohne Beispiel. Das macht eine Einigung nicht leichter, die am Ende am Verhandlungstisch erreicht werden muss."

 

Liebe Verwaltungsdirektoren, es geht nicht darum, dass der Journalistenverband und die Kollegen von ver.di ihre Muskeln spielen lassen wollen, als hätten wir nichts besseres zu tun. Es geht um die berechtigten Interessen der Journalistinnen und Journalisten in den ARD-Sendern. Wenn Sie diese Interessen auf dem Schirm hätten, könnten wir uns die Warnstreiks sparen.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner